Wie persönlich darf eine Abschiedszeremonie sein?
- Denis Janke
- 13. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Das ist eine der Fragen, die ich so oft im Hintergrund des Vorbereitungstreffen mitschwingen spüre.
„Darf man das sagen?“ „Ist das zu viel?“ „Geht das überhaupt?“
Die kurze Antwort lautet:
Ja.
Vielleicht.
Und nur so weit, wie es sich für die Angehörigen stimmig anfühlt.
Persönlich heisst nicht: alles erzählen
Eine Abschiedszeremonie wird nicht dadurch persönlich, dass möglichst viele Details genannt werden.
Es geht nicht darum, alles offenzulegen. Nicht jede Geschichte gehört in diesen Raum. Nicht jede Erinnerung muss ausgesprochen werden.
Persönlich bedeutet etwas anderes:
Dass das, was gesagt wird echt ist. Dass es den Menschen spürbar macht. Dass man merkt: "Ja genau, so war er/sie"
Dass Angehörige sich darin wiederfinden können – ohne sich erklären zu müssen.
Persönliche Geschichten – ja, wenn sie tragen
Es gibt kleine, intime Geschichten, die mehr über einen Menschen erzählen als alles Offizielle.
Ein Blick. Eine Gewohnheit. Ein Satz, den nur wenige kannten und der doch genau den Menschen sichtbar machen, der nicht mehr da ist.
Solche Geschichten dürfen Platz haben. Nicht, um jemanden blosszustellen, sondern um Nähe zu schaffen.
Die entscheidende Frage ist nicht: „Darf man das erzählen?“
Sondern: „Tut es gut, das zu hören?“
Wenn eine Geschichte Wärme erzeugt, wenn sie ein leises Lächeln ermöglicht, wenn sie verbindet –dann ist sie oft genau richtig.
Und ja: Humor darf sein
In der Vorbereitung muss ich oft erst einmal herausspüren, wie viel davon für die Angehörigen sein darf.
Dabei gehört Humor zum Leben. Und oft auch zum Menschen, von dem Abschied genommen wird.
Lachen in einer Abschiedszeremonie ist kein Zeichen von Respektlosigkeit. Es ist ein Zeichen von Nähe.
Ein kurzes Schmunzeln. Ein Wiedererkennen. Ein Moment, in dem jemand denkt: „Ja, genau so war er.“
Humor darf da sein, wenn er nicht verletzt, nicht verharmlost und nicht überdeckt, was schwer ist.
Er steht nicht im Gegensatz zur Trauer. Er steht oft direkt daneben.
Die Grenzen setzen die Angehörigen
Das ist mir besonders wichtig.
Nicht ich entscheide, wie persönlich eine Abschiedszeremonie wird. Nicht das Umfeld. Nicht irgendwelche Erwartungen.
Die Grenzen setzen die Menschen, die trauern.
Manche möchten viel erzählen. Andere ganz wenig. Manche brauchen Klarheit. Andere Schutz.
Alles davon ist richtig.
Meine Aufgabe ist es nicht, mehr herauszuholen. Sondern zuzuhören, zu sortieren und gemeinsam herauszufinden, was gesagt werden darf – und was nicht gesagt werden muss.
Persönlich bedeutet: stimmig
Am Ende geht es nicht um Mut und nicht um Tiefe um jeden Preis. Und nicht um eine „besondere“ Zeremonie.
Es geht darum, dass sich der Abschied richtig anfühlt.
Für die Angehörigen. Für den Moment. Für das, was bleibt.
Eine Abschiedszeremonie darf sehr persönlich sein. Aber sie muss es nicht.
Sie darf leise sein. Zurückhaltend. Oder klar und offen.
Das Mass entsteht nicht durch "So sollte man es machen". Sondern durch einen gemeinsamen Weg.
Und genau dort beginnt meine Arbeit.


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